Entstehungsgeschichte des Digipeaters DB0DAR


Inhaltsverzeichnis dieser Seite

  • Die Planungsphase
  • Ein TNN-Digi entsteht
  • Aufbau am endgültigen Standort
  • Ein RMNC für die Links
  • Die erste stabile Netzanbindung
  • Einstieg mit Multibaudbetrieb
  • Link mit 19200 Baud Duplex
  • Der RMNC lernt DAMA
  • Planung weiterer Links
  • Drei neue Linkstrecken
  • Änderungen bei den Einstiegen
  • Ausbau mit schnellen 6cm Linkstrecken
  • Ausblick

    Die Planungsphase

    Es war einmal, an einem Abend in einer Darmstädter Kneipe beim Bier: "Ich komme schon wieder nicht vernünftig über den Digi DB0XYZ, laßt uns doch einen Digi in Darmstadt bauen!" Also wurde im Herbst '92 von einigen Mitgliedern der AFTHD begonnen, dieses Ansinnen in die Tat umzusetzen.

    Im folgenden wurden Ideen gesammelt, was dieser Digi alles können sollte. 9600 Baud für den User-Einstieg sollten es sein, aber auch 1200 Baud für die "Grundversorgung". Denn von vielen Stellen in Darmstadt konnte ohne größeren Antennenaufwand kein Digi erreicht werden.

    Zwei Baudraten auf einem Einstieg lassen sich zufriedenstellend nur mit DAMA Betrieb verwirklichen. DAMA wurde damals aber nur von TNN unterstützt. So gingen wir daran, mitten im "Flexnetland" einen TNN Digi aufzubauen.

    Ein geeigneter Raum für den Digi wurde im Oktober ausgemacht. Auf dem Dach der anorganischen Chemie, dem höchste Gebäude des Bereiches Lichtwiese der THD. Die Erlaubnis in einem Abstellraum auf dem Dach einen guten Quadratmeter Fläche für den Digi zu erhalten war "auf dem kleinen Dienstweg" kein Problem. Die Genehmigung für die Antennenanlage war jedoch erst nach längeren Verhandlungen mit dem Kanzler der TH zu bekommen.

    Eine Genehmigung für einen Multibaud-Einstieg im 70cm Band und einen Link auf 23cm zu DB0CPU in Ludwigshafen wurde beantragt und traf im Februar '93 ein. Eigentlich hätten wir gerne DB0THD für TH-Darmstadt als Rufzeichen gehabt. Dies war aber leider wenige Tage zuvor nach Illmenau vergeben worden. Der Zweitwunsch wurde genehmigt: DB0DAR.

    Ein TNN-Digi entsteht

    Bereits auf dem Dortmunder Flohmarkt im Dezember '92 war ein 286er-PC plus Monitor zum stolzen Preis von 800DM erworben worden. Ein Tokenring mit drei TNC's - zwei für den Einstieg und einer für den Link - war im März '93 betriebsbereit in einem 19'' Einschub untergebracht. Die Antennengenehmigung war immer noch nicht erteilt. So ging der Digi am 16. März '93 erst einmal testweise und ohne Netzanbindung in den Räumen der Clubstation DL0TD in der Stadtmitte von Darmstadt in Betrieb.

    Nach viel Schriftverkehr, zwei Ortsbegehungen und nicht zuletzt unterstützenden Schreiben der Institute für Elektromechanische Konstruktionen und Übertragungstechnik wurde die Antennenanlage im April '93 endlich genehmigt.

    Aufbau am endgültigen Standort

    Ein 1,2m Parabolspiegel für den Link zu DB0CPU und eine Ringo für den Einstieg wurden in dreitägiger Arbeit in 50m Höhe an einer Stahlbetonwand montiert, und DB0DAR ging Anfang Mai '93 von seinem endgültigen Standort aus in Betrieb. Zunächst nur mit 1200 Baud. Es kam ein IC04E als Einstiegstransceiver zum Einsatz. Da dessen NF Verstärker defekt war, wurde der TRX kurzerhand zusammen mit einer externen NF Verstärker Platine auf ein Holzbrett aufgeschraubt. Eine ziemlich abenteuerliche Konstruktion. Aber es funktionierte prima!

    Leider war der Digi immer noch ohne Verbindung zum Netz, denn Versuche einen einen Linktrx3 rechtzeitig in Betrieb zu nehmen, scheiterten. Der Link zu DB0CPU wurde dann übergangsweise am 22. Mai mit einem geborgten 23cm Transceiver (Dank an DL1FX!) mit 1200 Baud in Betrieb genommen. DB0DAR war am Netz! Gleichzeitig wurde fieberhaft an einem Linktrx3 gebaut, der ab Mitte Juli für den Link eingesetzt wurde.

    Ein RMNC für die Links

    Der Tokenring ächzte und stöhnte schon bei 1200 Baud Betrieb. Da wir noch mindestens 2 weitere Linkstrecken mit hohen Baudraten planten, blieb nur ein Ausweg: einen RMNC für die Linkstrecken einsetzen und TNN mit Tokenring nur noch für den Einstieg verwenden. Ein RMNC mit 3 RMNC2 Karten für Solomaster, Link und die Anbindung zum TNN wurde aufgebaut und Mitte November in Betrieb genommen.

    Die erste stabile Netzanbindung

    Die Freude über die Netzanbindung via DB0CPU dauerte leider nicht lange. Bei starkem Regen fiel der Link häufig aus und Ende November verdrehte ein Sturm den Spiegel in Ludwigshafen. DB0DAR war wieder ohne Verbindung zum Netz. Nachdem sich dieser Zustand während des gesamten Dezembers nicht beheben ließ, wurde im Januar '94 kurzerhand ein "Notlink" zu
    DB0ZDF in Mainz geschaltet, um DB0DAR wieder ans Netz zu bringen.

    Einstieg mit Multibaudbetrieb

    Ein von DH5IAE geliehener TR851 ermöglichte Mitte Januar '94 den Einstieg auf den gewünschten Multimodebetrieb mit 1200 Baud und 9600 Baud auf einer Frequenz umzustellen.

    Durch einen glücklichen Umstand gelangten im Januar eine größere Anzahl 9600 Baud tauglicher Funkgeräte (UFS772C vom Funkwerk Köpenik) zu einem erschwinglichen Preis in den Kreis der AFTHD Mitglieder, und fortan nahm der Betrieb auf dem 9600 Baud Port sprunghaft zu. Ein solcher TRX löste dann auch den TR851 Mitte März am Digi ab.

    Link mit 19200 Baud Duplex

    Der Link zu DB0ZDF lief bisher mit 2400 Baud AFSK. Dies war für einen Digi mit 9600 Baud User-Einstieg doch sehr unbefriedigend. Nach dem Motto, nicht kleckern sondern klotzen wurde der Link im April '94 mit zwei von DF9IC modifizierten Linktrx3 als erster 19200 Baud Vollduplexlink in DL in Betrieb genommen. Linkzeiten von 2/2 entlohnten für den Aufwand.

    Der RMNC lernt DAMA

    Die auf unseren DAMA Einstiegen erreichten Datenraten waren für einen Simplexeinstieg recht hoch. Mit einem TNN-DAMA Digi praktisch vor der Haustür begann sich DK7WJ, im Frühjahr '94 für DAMA zu interessieren. Ab Mai liefen bei DB0DAR die ersten Tests mit DAMA unter Flexnet. Der arme Epromsockel im Master - 4 bis 5 neue Eproms pro Woche waren einige Zeit lang Durchschnitt. Mitte Juni war es dann soweit, der Tokenring wurde endgültig abgebaut und der TNN Teil per KISS an den RMNC angebunden. Der TNN Teil half noch fast ein Jahr als DB0DAR-8 beim TNN Routing auf dem Weg vom Norden Deutschlands in die Schweiz und ermöglichte uns den Zugang zum vernetzten Convers. Im Juni '95 wurde der TNN Teil dann ganz außer Betrieb genommen und durch erste Testversionen des auf PC-Flexnet aufsetzenden Ping-Pong Convers von DG2FEF ersetzt.

    Planung weiterer Links

    Der Herbst '94 verging mit weiteren Linktests. Erfolgreich waren
    DB0SRS in Steinau an der Straße und DB0AAC in Kaiserslautern. Trotz einiger Versuche gelang es nicht, die Strecke zu DB0CPU wieder in Betrieb zu nehmen. Wir haben keine Sichtverbindung nach Ludwigshafen, und einige Bäume auf den dazwischenliegenden Bergrücken waren wohl mittlerweile zu hoch geworden.

    Drei neue Linkstrecken

    Mitte 1995 ging es Schlag auf Schlag. Im Mai wurde die Strecke zu
    DB0ZDF mit Testversionen des GigaTRX von DF9IC auf 6cm umgestellt. Die verwendete Quarzmodulation begrenzt die Geschwindigkeit auf 28800 Baud. Als Antenne dient ein 60cm Spiegel mit Rohrstrahler.

    Im Juli folgte ein 19200 Baud Vollduplex Link zu DB0SRS mit dem alten ZDF Linktrx. Zwei 3m lange Yagiantennen wurden in 50m Höhe direkt unter der Einstiegsantenne angebracht. Ohne diesen Aufwand wäre die fast 90 km lange Strecke mit vielen Bergen auf dem Weg nicht zu überbrücken. Der Lohn war eine zuverlässige und schnelle Strecke nach Nordosten.

    Im August wurde ein 9600 Baud Vollduplex Link zu DB0AAC mit dem ehemaligen CPU TRX in Betrieb genommen. Der bereits vorhandene Spiegel wurde hierzu lediglich einige Grad gen Westen gedreht. Nach Kaiserslautern ist es zwar über 30 km weiter, als nach Ludwigshafen, doch haben wir in diese Richtung freie Sicht.

    Änderungen bei den Einstiegen

    Der 70cm User-Einstieg hat nun schon 4 verschiedene Transceiver erlebt, die aber alle ausgeliehen und nur als Übergangslösungen gedacht waren. Seit Februar '96 überninnt nun endgültig ein Standard Minix 736 die verantwortungsvolle Aufgabe, im 24 Stundenbetrieb das Stadtgebiet von Darmstadt mit HF zu versorgen. Es hat hierfür allerdings ein neues Gehäuse nebst einem großen Kühlkörper erhalten.

    Seit Januar '96 stand ein einschaltbereiter Linktrx3b am Digi und die Einstiegs-Antenne war gegen eine X5000 Dreiband GP ausgetauscht. Nachdem im September '96 endlich die lang ersehnte Genehmigung für seine Inbetriebnahme eintraf, ist nun ein Einstieg auf 23cm mit 19200 Baud im Downlink und 9600 Baud im Uplink qrv.

    Ausbau mit schnellen 6cm Linkstrecken

    Der 6cm Link zu DB0ZDF wurde im Juni '96 durch Umbauten in den ZF Baugruppen auf Vollduplexbetrieb erweitert. Damit laufen alle Linkstrecken vollduplex, was sich auf Datendurchsatz und Linkzeiten sehr positiv auswirkt.

    Seit Winter 95/96 bauen wir mit Unterbrechungen an einer schnellen 6cm Linkstrecke zu DB0AIS. Zum Einsatz kommen Gigatrx 1S mit Duplex-Erweiterung und 65cm Spiegel mit Rohrstrahlern auf beiden Seiten. Im Okotber '96 konnten wir die Linkstrecke mit 76800 Baud vollduplex in Betrieb nehmen. Die Strecke dankt die Mühen mit Qualitäten fast immer bei 100% und Linkzeiten von selten über 2/2. Die Übertragungsgeschwindigkeit ist nur durch den verwendeten Kanalrechner auf 76800 Baud begrenzt.

    Ausblick

    Als nächstes soll der Ausbau der ZDF Linkstrecke auf 76800 Baud erfolgen. Unser Gigatrx 1 ist schon von Quarzbetrieb auf eine langsamen PLL bei 90 MHz umgebaut. Die ZDF-Seite wird bald auf Gigatrx 1S umgerüstet werden.

    Neue Strecken sind z.Z. nicht geplant, aber noch ist Platz für drei weitere Karten im RMNC. Wir wollen uns in nächster Zeit verstärkt mit Hochgeschwindigkeits User-Einstiegen beschäftigen - 500kB/s sind angedacht. Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg.


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    This Page was created by DL2ZBN, Thursday, 12. September 1996
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