Ein kleiner Lebenslauf vom Digipeater DBØKV

Ich glaube es war Mitte 1985, als die Betriebsart "Packet Radio" mittels einer 5 1/2"-Diskette am unteren Niederrhein zum Leben erweckt wurde. Viele Funkamateure besaßen einen Commodore C64 mit dem schon einige "Amateurfunkanwendungen" bewältigt wurden. Da bot sich DIGICOM als Experimentierfeld für diese neue Betriebsart förmlich an. Nachdem man sich einschlägig mit dem Protokoll und dem Programm befaßt und "Packet Radio" einigermaßen verstanden hatte, versuchte man einige DX-Verbindungen ins nahe Ruhrgebiet herzustellen, was auf 2 Meter auch kein großes Problem war.

Man sah TÄGLICH neue Stationen "auftauchen", DIGICOM wurde praktisch nach dem "Schneeballprinzip" verteilt und die Explosion der 2 Meter Frequenz war vorprogrammiert.

Aus diesem Grund versuchte man das ganze Geschehen auf die noch ruhigen 70cm Frequenzen auszulagern. Dort allerdings waren die Reichweiten nicht sehr groß und man brauchte schon Richtantennen um die gewohnten DX-Verbindungen wieder herzustellen.

Hier in Kleve sind wir in der glücklichen Lage, einen kleinen "Hügel" zu haben (das sind sog. Endmoränen, die hier in der Eiszeit zum Stehen kamen) der ca. 100 Meter über NN hoch ist. An Wochenenden bot sich dieser "Berg" förmlich für Packet - Radio - Mini - Fieldday - Tage an. Nach einigen dieser Fielddays hatte man aber praktisch alle erreichbaren Stationen abgegrast.

Durch VIA-Connects über die einzelnen (teilweise schon 24 Stunden am Tag vorhandenen) Stationen waren auch schon DX-Verbindungen in Richtung Süddeutschland möglich. Nur die ewige Fahrerei und Schlepperei wurde auf die Dauer doch etwas unbequem. Man wollte Packet-Radio in dieser Form auch von zu Hause betreiben..... Und da kam uns die Idee !

Mittels eines geliehenen Packet-Boards (damals ein sogenanntes GLB-Board), welches wir inklusive Funkgerät und Antenne bei einem Funkamateur (DC8TV, sein QTH befindet sich ca. 100 Meter über NN) aus unserem OV aufbauten, waren ohne Problem auf 70cm Connects bis ins Ruhrgebiet möglich. Und das von zu Hause und sogar mit kleinen Handfunkgeräten und Antennen ! Das Connecten war zwar alles andere als komfortabel, man mußte praktisch jden User "via DBØKV" connecten - und wenn man etwas weiter wollte, mußte man schon wissen, welcher "Privat-Digi" gerade QRV war, um sich über diesen wiederum weitconnecten zu können; aber das nahm man gerne in Kauf.

Ende 1986 stellten wir den Antrag auf Genehmigung eines PR-Digipeaters. Am 11. Juni 1987 war es endlich soweit ! Die Lizenzurkunde lag bei mir im Briefkasten. Ich fuhr sofort mit einem TNC2c in der Tasche, bestückt mit NET/ROM zum DC8TV, tauschte die Hardware aus, schaltete den Storm wieder ein und einer der ersten genehmigten Digipeater auf 70 cm in Deutschland war geboren ! Er war getauft mit dem Call DBØKV !!!

Die Entwicklung unserer Digipeater bis zum heutigen Tag konnte damals noch niemand ahnen. Ebenso bestanden die Digis damals nur aus einem Einstieg, worauf sich alles abspielte und es wurden die ersten Linkanbindungen geplant und verwirklicht. Die erste Verbindung war ein Link auf 23 cm nach Mönchengladbach (DBØII). Danach folgte Wesel (DBØQS, heute Dinslaken). Aus DBØQS wurde ein Link nach Marl (DBØACC). 1989 kam ein weiterer Link in die nahen Niederlande nach Nijmegen dazu.

Um jedoch die HF-Qualität der Interlinkstrecken zu verbessern und den Einstieg wirklich "rundstrahlend" betreiben zu können, haben wir unseren "Aussichtsturm" als neuen QTH ins Auge gefaßt. Nachdem mehrere Anträge gestellt worden waren (das größte Problem war der Antrag zum Landeskonservator, der Turm steht unter Denkmalschutz !) konnten wir im August 1988 in den neuen Standort umziehen. Dieser ist nur ca. 200 Meter vom alten entfernt, dafür aber ca. 20 Meter höher (insgesamt jetzt 120 Meter über NN) und man hat wirklich rundherum freie Sicht (bis in die Niederlande und bei guter Sicht bis an den Rand des Ruhrgebiets).

Die große Höhe hat auch Nachteile. An einem Sonntagmorgen im Sommer 1989 während eines schweren Gewitters über Kleve schlug ein Blitz in den ca. 300 Meter entfernten Sendeturm des Westdeutschen Rundfunks und ein "Ableger" schlug in den Aussichtsturm ein ! Seit 08.09 Uhr MESZ war DBØKV qrt. Mit den schlimmsten Befürchtungen fuhr ich an den Ort des Geschehens. In der unten gelegenen Gastwirtschaft war der Gastwirt bereits mit "Aufräumarbeiten" beschäftigt. Er erzählte, daß es plötzlich taghell wurde und ein ohrenbetäubender Knall folgte. Lichtergirlanden und Kabel seien durch die Luft geflogen. Ich befürchtete nur noch einen schwarzen Klumpen zu entdecken, war aber sehr überrascht und erleichtert als ich den eigentlichen Digi unversehrt vorfand. Nach kurzer Überprüfung stellte sich heraus, daß nur ein kleiner Trafo, 3 Schmelzsicherungen und ein Leitungsschutzschalter beschädigt worden waren. Gott sei Dank !!! Die kommerziellen Nutzer des Turms traf es schlimmer. Deren Antennenanlage war beschädigt und der gesamte Schaden an der computergesteuerten Funkanlage betrug ca. 10.000 DM.

Dieser Schock hielt uns aber nicht davon ab DBØKV weiter auszubauen. Die vorhandenen 1200 Baud-Links wurden umgerüstet auf 9600 Baud und 1 Jahr später folgte auch der Einstieg. Des weiteren wurde die Hard- und Software durch einen FALCon (Fast Amateur Link Controller) ausgetauscht. Dies ist ein kleiner Einplatinen-TNC mit maximal 4 HF-Ports in der Größe einer Eurokarte. Da wir aufgrund der verschiedenen Auflagen im Aussichtsturm nur einen einzigen Schrank zur Aufnahme des kompletten Digis genehmigt bekommen hatten, bot sich der FALCon aufgrund seiner Kompaktheit und Leistungsfähigkeit an. Aufgrund der schlechten HF-Verhältnisse haben wir den Link nach Nijmegen aufgegeben und dafür eine Verbindung nach Rees, DBØRES, aufgebaut.

Geplant ist die Baudratenerhöhung der Linkstrecken auf 19200 Baud sowie eine Wetterstation. Ich danke hiermit im Namen der gesamten SysOp-Crew Allen, die sich bisher am Auf- und Ausbau des Digis mit Geld- oder Sachspenden beteiligt haben !

Mit vy 73

Georg, DL2ECY
Dietrich, DF1EP
Leo, DK3EL

geschrieben im SEPTEMBER 1996.

Hier folgt der zur Zeit im Digi befindliche Infotext:
Information zum Digipeater Kleve:            Stand: 04.05.1996
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Standort:	Kleve JO31bs, ca. 120 Meter über NN.
Hardware:	FALCon by DG3DBI (Fast Amateur Link Controller)
Software:	DigiWare by DG9EP/DG6MAY
Frequenz:	430.600 MHz
Baudrate: 	9600 Baud/FSK 
Station :  	Einstieg  (70cm): STORNO CQM763, 4 Watt
                Interlinks (23cm): 3 mal Linktrx I nach DF9IC, 800 mW
Antenne :	CX 901, vertikal

Angeschlossene Linkverbindungen:
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1. DBØII    (TheNetNode) M-GLADBACH - 9600 Baud/FSK
2. DBØACC   (Flexnet)    Marl       - 9600 Baud/FSK
3. DBØRES   (Flexnet)    Rees       - 9600 Baud/FSK

Bei Störungen wenden Sie sich bitte an die SysOps DF1EP, DK3EL, DL2ECY.

Zum Erhalt des Digi's mit Geld- oder Sachspenden haben bisher beigetragen:
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OV L31 (KLEVE)				DL1EBV, Robert (KLEVE-MOYLAND)
DD3EK, Hermann (ISSELBURG)		DF6JZ, Arthur (KLEVE-FRASSELT)
OV L04 (EMMERICH)			DF5EO, Hermann (EMMERICH)
DG5YET, Brigitte (BOCHOLT)		DC4JO, Eddi (EMMERICH)
DF1EP, Dietrich (KLEVE)			DG7EAY, Ernst (KLEVE)
DL5YAF, Clemens (VELEN)			DL1EBA, Helmut (KLEVE)
DD9QP, Egbert (REES)			DG1EEH, Hermann (EMMERICH)
DL1EGF, Volker (EMMERICH)		OV N17 (BOCHOLT)
PA0HJV, Harrie GENNEP			PA3FKO, Willem (ZWOLLE)
DB1JB, Hans (SCHOTTHEIDE b. KLEVE)	PA3AIR, Piet (ARNHEIM)
DL8YBL, Josef (HALTERN)			PA3ENC, Frans (ARCEN)
DL3EBK, Hermann (EMMERICH-ELTEN)	PA3GRB, Ben (ULFT)
PA3EOI, Chris (DOETINCHEM)		DL3EEH, Heinrich (KLEVE)
PA0NO, Jan (HUISSEN)			DL6YAO, Peter (BOCHOLT)     
DJ8IO, Conni (RHEINBERG)		DK3IR, Heinz (RHEINBERG) 
DL6IZ, Rudi (HAMMINKELN)		DL2EEH, Wilhelm (WESEL)
Auf Spenden wartet das Konto mit der Nummer 331058­438 beim Postgiroamt Essen, BLZ 36010043